
Der imposante Sandsteinbau diente seinen Besitzern ursprünglich nicht als ständiges Wohnhaus, sondern als Gartenanwesen für sommerliche Gesellschaften und Freizeitvergnügen.
Hier "erbauet er die grosse steinerne Behausung an seinen Garten hinauf", so heißt es in den Annalen, als Lorenz Tucher und seine Frau Katharina ihr seit dem 14. Jahrhundert bestehendes Gehöft am Treibberg von 1533 bis 1544 zu einem repräsentativen Refugium erweitern ließen.
Im Zweiten Weltkrieg brannte das Schloss bis auf die Grundmauern ab. Gerettet werden konnte der bewegliche Bestand an Möbeln, Gobelins und Dekorationen. Seit 1969 hat dieser Kunstbesitz seinen Platz im - nun als Museum - wieder aufgebauten Tucherschloss gefunden.

Die Straßenfassade des Schlosses ist - entsprechend der einstigen Nürnberger Bauordnung - schlicht gestaltet. Eine überraschende Prachtentfaltung zeigt der Innenhof: eine reizende Mischung von architektonischen Schmuck- und Gliederungselementen der Renaissance aus verschiedenen Ländern. Hauptmerkmal ist der an französische Vorbilder erinnernde Treppenturm, der über das Satteldach des Hauptbaus hinaus ragt und dort mit seiner Gliederung in drei Türmchen einen malerischen Akzent setzt.

Die große Halle mit dem beeindruckenden Kreuzrippengewölbe wurde einst vielfältig - auch zu Lagerzwecken - genutzt. Eines der schönsten erhaltenen Stücke älterer Nürnberger Glasmalerei ist das 1502 in der berühmten Werkstatt des Glasmalermeisters Veit Hirsvogel entstandene gotische Maßwerkfenster: Es stellt die Verkündigung an Maria dar und geht auf einen Entwurf der Dürer-Werkstatt zurück.
Die beiden an die Halle anschließenden "Schatzkammern" bergen Bildnisse von dem Lehrer Albrecht Dürers, Michael Wolgemut, sowie von Dürers Schüler Hans Schäufelein. Außerdem finden sich hier bedeutsame Beispiele für Kirchenstiftungen oder Erinnerungstafeln, wie z.B. das 1493 gemalte Gedächtnisbild für Adelheid Tucher mit der topografisch erstaunlich präzisen Ansicht der Stadt Jerusalem oder das große Altarblatt mit der Ecce-Homo-Darstellung von Matthäus Merian (1621-1687).
Die Halle dient heute u.a. als Ort für Trauungen und kann angemietet werden. Nähere Informationen hierzu erhalten Sie unter der Rubrik Vermietungen.
Vermietungen
<www.museen.nuernberg.de/tucherschloss/vermietungen.html>

Im ersten Obergeschoss befanden sich einst die Wohnräume der Familie Tucher. Dort wird heute Geschichte dargestellt. Ein prachtvoller Säulenschrank des Nürnberger Bildhauers und Architekten Peter Flötners, eines Zeitgenossen Dürers, sowie vier einzigartige, 1610 gefertigte Glasscheiben des Zürcher Glasmalers Christoph Murer (1558-1614) mit der Geschichte vom Verlorenen Sohn beherrschen den großen Speisesaal.

Im angrenzenden, preziös gestalteten Barockraum und im Arbeitszimmer aus dem späten 19. Jahrhundert spiegelt sich die Geschichte der Familie Tucher in späteren Zeiten. In beiden Räumen hängen qualitätvolle Bildnisse: im Barockraum feudale Familienporträts aus dem 18. Jahrhundert, im gründerzeitlich eingerichteten Arbeitszimmer vier großformatige Bildnisse des Münchner Malerfürsten Franz von Lenbach.
Die Räume sind so gestaltet, als seien die Familienmitglieder und das Personal nur kurz weggegangen: Das Silberputzzeug der Magd liegt noch auf dem Tisch, über dem Stuhl hängt ihre Schürze, und üppig dekorierte Obstschalen vermitteln ein ausgesprochen lebendiges Flair.

Über eine steile Wendeltreppe erreicht der Besucher die Repräsentationsebene des Schlosses. Hier empfingen die Tuchers Gesandte und Geschäftspartner aus aller Welt, Ratsmitglieder und Patrizier, hier feierten sie Familienfeste, Taufen, Hochzeiten und Verlobungen.
Im "byzantinisch"-rot gestrichenen Empfangsraum sind Familienmitglieder in feinen Roben auf Bildnissen der renommierten Renaissance-Maler Nicolaus Juvenel und Lorenz Strauch zu sehen.

Den großen Festsaal ziert eine prächtige, gedeckte Tafel, um die sich eine illustre, "virtuelle" Verlobungsgesellschaft versammelt hat: Renaissance-Musik durchdringt den Raum, das Klappern edlen Geschirrs und leise Tischgespräche untermalen die Bankett-Szene.
Auf der Verlobungstafel befindet sich das berühmte achtteilige Tuchersche Gießgeschirr und die silberne, feuervergoldete "Doppelscheuer" - eine traditionelle Nürnberger Morgengabe für den zeremoniellen Hochzeitstrunk -, bestehend aus zwei nahezu identischen Buckelpokalen.
Beides schuf der bedeutendste Nürnberger Goldschmied des 16. Jahrhunderts, Wenzel Jamnitzer (1508-1585) im Auftrag von Linhart Tucher für die Hochzeit seines Sohnes Herdegen IV. mit Katharina Pfinzing im Jahr 1564. Jamnitzer trieb das Geschirr zunächst aus Kupfer, anschließend emaillierte es Pierre Reymond im französischen Limoges.