
Großversandhaus "Quelle"
Fürth, 1949-2009
Auch im Jahr 2012 setzen wir unsere beliebte Sonderreihe "Schaustück des Monats" fort, in der wir Ihnen besondere Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vorstellen. Der Mai ist dem Katalog des ehemaligen Fürther Großversandhauses "Quelle" gewidmet, dessen Archiv nach der Insolvenz im Jahr 2009 das Museum Industriekultur erhielt. Die interessantesten Katalogtitel sind noch bis zum 23. September 2012 in der Ausstellung "Meine Quelle. Die Geschichte eines fränkischen Weltkonzerns" im Museum Industriekultur zu sehen.
1927 ließ der junge Fürther Kaufmann Gustav Schickedanz den Firmennamen "Quelle" ins örtliche Handelsregister eintragen - jenes Namens, der zum Inbegriff einer deutschen Erfolgsgeschichte werden sollte. Der erste kleine Katalog der Firma für 1928/29 zählte rund 80 Seiten und bot Waren vom Nähgarn über Haarkämme bis zum Geschirrtuch. Nachdem die Kataloge kriegsbedingt zeitweilig eingestellt werden mussten, wurden erst 1948 wieder erste Angebote, ganz bescheiden auf selbstgefertigten Handzetteln, gedruckt. Ab 1949 erschienen "Neueste Quelle Nachrichten", schmale Kataloge, die durch Sonderangebotslisten und Extrahefte ergänzt wurden. Die Frühjahrsausgabe 1951 umfasste bescheidene 16 Seiten. Der erste Hauptkatalog Frühjahr/Sommer 1954 zählte bereits 72 Seiten und ein Sortiment von 1200 Artikeln. Ende der 1950er Jahre konnte der Quelle-Kunde in 272 Seiten blättern, mehr als die Hälfte davon waren farbig gedruckt. Sechs Jahre später erschien der Katalog schon 582 Seiten stark in einer Auflage von rund 6 Millionen Exemplaren.
Seit Mitte der 1980er Jahre bis zur letzten Katalogausgabe für Herbst/Winter 2009/2010 wuchs die Seitenzahl bis auf rund 1400 Seiten an. Das Angebot umfasste längst nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens, vom Taschentuch bis zum Fertighaus. Die Gestaltung des Katalogs, "Herzstück" des Versandhandels, war von Anfang an "Sache der Chefin": Grete Schickedanz wachte über die Entstehung einer jeden neuen Ausgabe von Anfang bis Ende. In der Rückschau von 60 Jahren sind allein die Katalogtitel ein untrügliches Spiegelbild gesellschaftlichen Wandels - Modetrends, Stil, Geschmack und Zeitgeist.
Für interessierte Museumsbesucher, die mehr über den Katalog und die Geschichte der "Quelle" erfahren möchten, haben sich die städtischen Museen ein ganz besonderes Serviceangebot einfallen lassen:
Im Rahmen der Präsentation des Mai-Schaustücks bietet Regine Franzke M.A., Sammlungskuratorin des Museums Industriekultur, zwei kostenlose Spezialführungen an:



30. März bis 23. September 2012
Gehen Sie auf Zeitreise - zurück bis in die 1920er Jahre, als der junge Gustav Schickedanz erste Erfolge mit "Kurzwaren en gros" verbuchen konnte und begleiten Sie den Werdegang seines aufstrebenden Unternehmens hin zum Weltkonzern.
Erzählt wird die legendäre Erfolgsstory eines fränkischen Unternehmers der mit Zielstrebigkeit, brillanten Geschäftsideen und der richtigen Frau an seiner Seite ein Versandhandelsimperium schuf, das über Jahrzehnte hinweg, bis zu seinem Niedergang vor wenigen Jahren, eine feste Größe in der deutschen Wirtschaft war.
Am Beispiel vieler historischer Objekte und jener Kataloge, aus denen sie zu bestellen waren sowie zahlreichen schriftlichen, zeichnerischen und fotografischen Dokumenten wirft die Ausstellung einen Blick hinter die Klinkerfassade des Versandzentrums an der Fürther Straße.
Aber auch viele ehemalige Mitarbeiter erscheinen in Wort und Bild. Der Besucher erfährt ihre Geschichte(n), von der großen "Quelle-Familie" zu der sie gehörten, den Veränderungen im Konzern und wie sie seinen Niedergang miterlebten.
Das gleichnamige Fotoprojekt "Meine Quelle" von Stefan Koch rundet die Sonderausstellung ab mit eindrucksvollen Aufnahmen verlassener Lagerräume, Verkaufsflächen, Büros und anderer Räumlichkeiten des einstigen Versandhausriesen.
In Kooperation mit dem Kunst- und Kulturpädagogischen Zentrum der Museen in Nürnberg (KPZ) bieten wir folgende Führungen an:
Termine: Jeden Sonntag, 14 Uhr
Kosten: 2 EUR (zzgl. zum Museumseintritt)
Dauer: 60 Minuten
Kosten: 65 EUR (zzgl. zum Museumseintritt)
Dauer: ca. 90 Minuten
Kosten: 25 EUR (zzgl. zum Museumseintritt)