
Nürnberg, vermutlich um 1520/30
Auch im Jahr 2011 setzen wir unsere beliebte Sonderreihe "Schaustück des Monats" fort, in der wir Ihnen herausragende Exponate aus dem Besitz der Stadt Nürnberg vorstellen. Der März ist Barthel Behams Kupferstich "Geiz und Fehlgeburt" gewidmet, der vermutlich um 1520/30 entstanden ist und vom 1. bis zum 31. März 2011 im Albrecht-Dürer-Haus präsentiert wird.
Es ist eine merkwürdige Szenerie: Eine Kröte sitzt auf der Schulter eines muskulösen nackten Mannes. Er trägt zwei Geldsäcke, vor ihm räkelt sich eine ebenfalls unbekleidete Frau auf dem Boden und blickt auf einen vor ihr liegenden Säugling - eine blasphemische Umdeutung der Geburt Christi? Zuzutrauen wäre es Barthel Beham durchaus, denn berühmt wurde der Nürnberger Maler und Kupferstecher nicht nur mit hochrangigen Werken, sondern zunächst mit dem Skandal um "Die drei gottlosen Maler von Nürnberg": 1525 wird er mit seinem Bruder Sebald und Georg Pencz der Ketzerei angeklagt. Der Stadt verwiesen, lässt er sich in München nieder, wo er Hofmaler am katholischen bayerischen Herzogshof wird.
Für interessierte Museumsbesucher, die mehr über den Kupferstich, die rätselhaften Bildinhalte und den Künstler erfahren möchten, bietet Dr. Thomas Schauerte, Leiter des Albrecht-Dürer-Hauses und der Graphischen Sammlung der Stadt Nürnberg, zwei kostenlose Spezialführungen an.
Weitere Informationen zu diesem Schaustück können Sie als PDF-Datei herunterladen.
Schaustück: Barthel Beham: Geiz und Fehlgeburt
PDF-Datei (2,2 MB)
<http://www.museen.nuernberg.de/download/download_duererhaus/schaustueck_201103_barthel_beham.pdf>

Vortrag von Dr. Thomas Schauerte
Donnerstag, 26. Mai 2011, 19.30 Uhr
Dr. Thomas Schauerte, Leiter des Albrecht-Dürer-Hauses und der Graphischen Sammlung, gibt in seinem Vortrag über "Selbstbildnis und Christusbild - Albrecht Dürer und das eigene Bildnis" einen Einblick in die aktuelle Forschungsdiskussion. In den Selbstportraits des berühmten Nürnberger Malers Albrecht Dürer scheint es auf einigen einen geheimnisvollen Zusammenhang mit seinen Christusbildern zu geben. Manche meinen, im "Selbstbildnis mit Eryngium" Zeichen seiner Gottergebenheit erkennen zu können. Bei dem Portrait "im Pelzrock" - dessen frontale Pose zum Betrachter sonst nur Christus vorbehalten war - sehen andere eine gekonnte Auslegung der Lehre von der "Imitatio Christi". Zugleich sei dieses Bild ein Zeugnis für seinen Glauben an den Künstler als "Nachschöpfer" Gottes. Was ist dran an diesen Thesen? Ist der fromme Wunsch Vater des Gedankens oder gibt es triftige Beweise? Was sagt die neuere Dürerforschung?
Ort:
Evangelische Stadtakademie Nürnberg im Haus "eckstein"

In den "Mus[e]en-Lesungen" nutzen Literaten das Museum nicht als bloße Kulisse ihrer Lesung, sondern stellen den "Musentempel" als Inspirationsquelle vor und beziehen sich ganz bewusst auf das jeweilige Ambiente und die dortige Stimmung. Ein Projekt der freien Nürnberger Autoren Michael Lösel, Holger Trautmann, Andreas Neuner, Günter Körner und Paul S. Wolff.
Die Projektgruppe liest Erzählungen und Lyrik an zwölf Stationen in Albrecht Dürers einstiger Wohn- und Arbeitsstätte. Dabei werden Motive aus Dürers Bildern aufgegriffen und Bezüge zu Arbeitsprozess und Lebenswelt hergestellt. Dem ideologisch vielfach abgegriffenem Idol verleihen die Autoren frische Konturen.
In den Meisterstichen spüren die Autoren eigenen Erfahrungen und Entdeckungen nach, die den Hörern neue Fluchtpunkte in der Perspektive auf vorgestellte Kunstwerke und Werkzeuge zeigt und den Objekten ein bislang unbekanntes Eigenleben einhaucht. Spitzfindigkeiten zu versteckten Details und Winkelzügen des Künstlers sind Wegweiser bei einer Entdeckungsreise in das Universum Dürers, das nicht nur vom Dachstuhl des Hauses aus betrachtet werden kann. Durch bleigefasste Butzenscheiben sieht manches anders aus. Und, hatte Albrecht Dürer einen Hund?
Donnerstag, 17.03./ 14.04./ 28.04./ 12.05./ 26.05./ 09.06.2011, jeweils 18.30 Uhr
Der Besuch der "Mus[e]en-Lesung" ist im regulären Eintrittspreis enthalten.
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.michael-loesel.de/pages/museles.html
<http://www.michael-loesel.de/pages/museles.html>

Ausstellung im Graphischen Kabinett
31. März bis 17. Juli 2011
1525 werden die Brüder Sebald und Barthel Beham gotteslästerlicher Reden angeklagt. Schon im Januar inhaftiert man die beiden Künstler und lässt sie durch Nürnberger Prediger verhören. Vor diesem reformationszeitlichen Szenario versuchen Ausstellung und Katalog eine Neubewertung der "gottlosen Malerbrüder" Beham. Dabei ist entscheidend, dass sich die Behams unterschiedliche Bildauffassungen zu Nutze machen: Zum einen folgen sie dem Beispiel eines Raffael und zitieren berühmte Schlüsselwerke aus Renaissance und Antike. Zum anderen parodieren sie diese auch, indem traditionelle Motive in einen neuen, völlig unpassenden Kontext überführt werden. So zeigt uns diese neue Bildpoetik - manchmal drastisch - nicht nur die Laster anderer, sondern führt uns die eigene Lasterhaftigkeit vor Augen. Stärker als andere Künstler des auch nach Dürer keinesfalls "künstlerarmen" Nürnberg versuchen die Behams, den Betrachter in die Bildhandlung einzubinden.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem SFB 804 "Transzendenz und Gemeinsinn" an der TU Dresden.
Begleitend zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen:
Jürgen Müller/ Thomas Schauerte (Hrsg.), Die gottlosen Maler von Nürnberg. Konvention und Subversion in der Druckgrafik der Beham-Brüder.
Edition Imorde, Emsdetten 2011, 285 S., zahlreiche Abb. ISBN 978-3-942810-01-2
Verkaufspreis während der Ausstellung: 28,00 Euro
Über den Buchhandel erhältlich beim Reimer-Verlag, Berlin.
Zu dieser Ausstellung ist am 31. März 2011 in der Sendung "Kulturwelt" auf Radio Bayern 2 ein Beitrag gesendet worden.
Den Beitrag des BR anhören
<http://www.br-online.de/bayern2/kulturwelt/duerer-haus-nuernberg-die-gottlosen-maler-kunst-ID1301494497837.xml>
(Leiter Dürerhaus und Graphische Sammlung)

Dürer-Vorträge 2011
Vom 10. bis 12. Oktober 2011 trafen sich zwölf amerikanische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Kunstgeschichte und Germanistik zu einem internationalen Kolloquium im Hirsvogelsaal des Tucherschlosses. In zwölf Vorträgen wurden Fragen lebhaft erörtert, die sich aus der Ausstellung "Die gottlosen Maler von Nürnberg. Graphik von Sebald und Barthel Beham" im Dürerhaus (31. März bis 3. Juli 2011) ergeben haben. Wie diese war auch das Kolloquium ein Gemeinschaftsprojekt mit der TU Dresden/ SFB 804. Zugleich stellte die Tagung die erweiterte Form der bewährten "Dürer-Vorträge" dar. Die Ergebnisse werden 2012 in einem Tagungsband erscheinen.
Genaue Informationen zu den Vorträgen und Referenten finden Sie unter:
Dürer-Vorträge Nürnberg
<http://www.duerervortraege.de>