
Gesamtanlage und einzelne Bauten des Reichsparteitagsgeländes dienten der nationalsozialistischen Machtdemonstration nach innen und außen. Mit ihren riesigen Dimensionen zielten Gelände und Architektur darauf ab, dem einzelnen Parteitagsbesucher die Teilhabe an etwas Großem und Bedeutendem zu suggerieren und ihm zugleich den Eindruck eigener Bedeutungslosigkeit zu vermitteln.
Alle Bauten verherrlichten die beiden Zentralmythen des "Dritten Reichs": den Führer-Mythos, der Hitler als von der "Vorhersehung" gesandten nationalen Erlöser erscheinen ließ, und den Mythos einer auf erhebenden Gemeinschaftserlebnissen und -gefühlen beruhenden "Volksgemeinschaft".
Der geschickte Einsatz von Lichteffekten verstärkte noch die architektonische Botschaft der Parteitagsbauten. Eine nächtliche Lichtregie, darunter der so genannte Lichtdom, sollte ihnen ein weihevolles Aussehen verleihen und der gesamten Szenerie eine sakrale Atmosphäre geben.

Das Reichsparteitagsgelände war Teil eines großangelegten NS-Bauprogramms für das gesamte Reichsgebiet. Auf dessen konkrete Realisierung nahm Hitler als selbst ernannter "Oberster Bauherr" Deutschlands immer wieder direkten Einfluss.
Für die geplanten NS-Bauten lieferten mehr als 280 Firmen Natursteine. Unter ihnen befanden sich ab 1940 auch die SS-eigenen Deutschen Erd- und Steinwerke (DEST). Konzentrationslager wie Flossenbürg, Mauthausen, Groß-Rosen und Natzweiler-Struthof wurden in der Nähe von Steinbrüchen errichtet. Dort und in den zugehörigen Steinmetzbetrieben beutete die DEST die Arbeitskraft der Häftlinge rücksichtslos aus.
Nachdem Hitler 1933 Nürnberg zur "Stadt der Reichsparteitage" erklärt hatte, sollten im Südosten monumentale Bauten für die NS-Massenveranstaltungen entstehen.
1934 wurde Hitlers bevorzugter Architekt, Albert Speer (1905-1981), damit beauftragt, einen Gesamtplan für das Reichsparteitagsgelände zu erstellen. Das von Speer beanspruchte Gelände war elf Quadratkilometer groß. Heute sind davon noch ca. vier Quadratkilometer von den Bauresten besetzt.

Im Luitpoldhain entstand ab 1934 eine steinerne Tribünenanlage, die Luitpoldarena. Ein Granitplattenweg verband dort eine "Führerempore" mit dem 1929 errichteten Gefallenendenkmal.
In der Luitpoldarena konnten bis zu 150.000 Menschen vor dem "Führer" antreten. Sie diente als Ort für Massenaufmärsche von SA und SS sowie dem nationalsozialistischen Toten- und Opferkult.
Die 1906 anlässlich der Bayerischen Landesausstellung am Luitpoldhain erbaute Maschinenhalle wurde von den Nationalsozialisten mit monumentalen Vorbauten versehen. Dort fanden ab 1935 die NSDAP-Parteikongresse statt. 1942 fiel die Halle Bombenangriffen zum Opfer. Die Luitpoldarena wurde 1958/59 in einen Erholungspark zurückverwandelt.

Der von dem Nürnberger Architekten Ludwig Ruff (gest. 1934) und seinem Sohn Franz (1906-1979) entworfene Monumentalbau war als Kongresszentrum für die NSDAP geplant.
Als Standort hatte Ludwig Ruff in Zusammenhang mit von ihm erstellten älteren Plänen für eine Stadthalle Nürnbergs das Gelände am Dutzendteich vorgeschlagen. Die Grundsteinlegung erfolgte 1935.
Die Fassadengestaltung erinnert an das antike Collosseum in Rom. Ein freitragendes Dach sollte einen Innenraum überspannen, der für 50.000 Menschen konzipiert war. Die Kongresshalle blieb unvollendet. Sie ist der größte erhaltene Bau der NS-Herrschaftsarchitektur in Deutschland.
Nach 1945 ging das Gebäude in städtischen Besitz über. Es wurde fortan pragmatisch als Lagerhalle genutzt. Pläne, die Kongresshalle abzureißen oder in ein Sportstadion umzuwandeln, scheiterten ebenso wie das Vorhaben, aus dem Bauwerk ein Freizeit- und Shopping-Center zu machen.
Seit 1973 gilt der "Kolossalstil des Dritten Reiches" als denkmalschutzwürdig. Dies verpflichtet die Stadt Nürnberg, die Bausubstanz der Kongresshalle zu erhalten. Heute befindet sich im Nordflügel des Monumentalbaus das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

Auf der Zeppelinwiese entstanden zwischen 1934 und 1937 nach Entwürfen Albert Speers die Zeppelintribüne und das Zeppelinfeld.
Die 300 Meter lange Haupttribüne war mit zwei Pfeilerreihen versehen und erinnerte damit an den zum Vorbild genommenen antiken Pergamonaltar. Auf dem Zeppelinfeld konnten bis zu 100.000 Menschen aufmarschieren. Haupttribüne und Seitentribünen boten 60.000 Zuschauern Platz.
Heute ist das Zeppelinfeld baulich verändert: 1945 sprengte die US-Armee das Hakenkreuz auf der Haupttribüne. 1967 wurden die Pfeilerreihen wegen Baufälligkeit abgetragen. Als Liegenschaft gelangte die Zeppelintribüne schon 1945/46 in städtischen Besitz. Seitdem finden auf dem Gelände Freiluftveranstaltungen aller Art statt. Von 1985 bis 2001 war in der Zeppelintribüne die provisorische Ausstellung "Faszination und Gewalt" zu besichtigen.
Aktuell ist die Zeppelintribüne wegen anstehender Sanierungsarbeiten teilweise gesperrt.
Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Nürnberger Baureferates:
Sanierung der Zeppelintribüne
<http://www.nuernberg.de/internet/referat6/zeppelin.html>

Für Aufmärsche und Vereidigungen der Hitlerjugend (HJ) auf den "Führer" nutzten die Nationalsozialisten das in der Nähe des Zeppelinfeldes gelegene, 1923 bis 1928 erbaute Städtische Stadion. Nach 1945 wurde es mehrmals umgebaut und heißt heute Frankenstadion.

Speer plante die zwei Kilometer lange und 60 Meter breite Große Straße als zentrale Achse des Reichsparteitagsgeländes. Sie sollte von der Kongresshalle zum Märzfeld führen und mit 60.000 Granitplatten belegt werden. Nach Norden hin war das Bauwerk auf Burg und Altstadt ausgerichtet und verband das historische Nürnberg symbolisch mit dem neuen Reichsparteitagsgelände. Bis 1939 wurde die Große Straße im Wesentlichen fertig gestellt.
Nach Kriegsende diente sie zunächst der US-Luftwaffe als Rollfeld. Bis heute wird die von 1991 bis 1994 sanierte Große Straße bei Großveranstaltungen als Parkplatz genutzt.

Mit dem über 400.000 Zuschauer fassenden Deutschen Stadion sollte an der Großen Straße nach Speers Vorstellungen das "größte Sportstadion der Welt" entstehen.
Der Grundriss des gigantischen hufeisenförmigen Baus erinnert an das antike Stadion in Olympia. 1937 wurde der Grundstein gelegt, doch konnte bis 1945 lediglich die Baugrube ausgehoben werden. Als diese mit Grundwasser volllief, entstand der heutige Silbersee.

Albert Speer entwarf das Märzfeld als Aufmarsch- und Manövergelände für die Wehrmacht. Die Benennung des Areals sollte an die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht im März 1935 erinnern, konnte aber auch auf den Kriegsgott Mars zurückgeführt werden.
Mit dem Bau der rechteckigen Tribünenanlage wurde erst 1938 begonnen, so dass sie sich bei Kriegsende noch im Rohbau befand. Von 24 geplanten Tortürmen des Bauwerks waren bis dahin lediglich elf vollendet.
1966/67 wurden sie gesprengt, da sie eine Bebauung des Geländes behinderten. Heute befinden sich dort ein Gewerbegebiet, Wohnsiedlungen und die Gesamtschule Langwasser.

Die SS-Kaserne wurde zwischen 1937 und 1939 nach Plänen des Architekten Franz Ruff am nordwestlichen Rand des Reichsparteitagsgeländes errichtet. Der Großbau hob symbolisch die Bedeutung der SS innerhalb des nationalsozialistischen Herrschaftsgefüges hervor.
Von 1945 bis 1992 wurde die Kaserne von der US-Armee unter dem Namen "Merrell Barracks" genutzt. Heute steht sie unter Denkmalschutz und beherbergt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge.

Östlich des Reichsparteitagsgeländes wurde 1937 die KdF-Stadt eröffnet, ein Vergnügungsgelände der NS-Organisation "Kraft durch Freude". In den Holzbauten fanden zur Unterhaltung der Parteitagsbesucher Folklore- und Volksfestveranstaltungen statt.
Die Gebäude brannten während des Zweiten Weltkrieges ab. Heute stehen an dieser Stelle Wohnsiedlungen und Sportanlagen.

Im Anschluss an das Märzfeld entstand im Südosten des Reichsparteitagsgeländes eine Lagerzone. Dort brachten SA, SS, HJ und andere NS-Organisationen ihre Parteitagsteilnehmer in Zelten und Baracken unter.
Ab 1939 wurde auf einem Teil der Lagerzone ein Kriegsgefangenenlager errichtet, in dem durchschnittlich etwa 30.000 Menschen verschiedener Nationen zusammengepfercht waren. Bis 1943 arbeiteten bis zu 2.000 der Stadt Nürnberg zugeteilte Lagerinsassen auf den Baustellen des Reichsparteitagsgeländes. Aufgrund mangelhafter Versorgung mit Lebensmitteln und unzureichender Unterbringung in Baracken und Zelten kamen mehrere Tausend von ihnen ums Leben.
Das Kriegsgefangenenlager Nürnberg-Langwasser wurde am 17./18. April 1945 von der US-Armee befreit. Nach Kriegsende wurde es zunächst teils als amerikanisches Internierungs-, teils als internationales Flüchtlingslager genutzt. Später befand sich dort das Bundessammellager für Ausländer. Ab den 1950er Jahren entstand auf dem Lagerareal und weiteren Teilen des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes die Trabantenstadt Langwasser.