
Das ehemalige Reichsparteitagsgelände ist ein historischer Ort, für den es in Deutschland kaum Vergleichbares gibt.
Im Gegensatz zu den Gedenkstätten, die in früheren Konzentrationslagern, Gefängnissen u.ä. an den NS-Terror und damit an die Opfer der Gewaltherrschaft erinnern, ist das Areal im Südosten Nürnbergs ein Ort, der auf die "Vereinnahmung eines ganzen Volkes" (Ignatz Bubis) abzielte. Hier feierte sich die Nazi-Bewegung auf beinahe obszöne Weise selbst und präsentierte der Welt die Schauseite ihres Regimes. Begleitet von unverhohlener Einstimmung auf den Krieg wurde hier die Saat gesät, die an den vorgenannten Orten in so furchtbarer Weise aufging.
Reichsparteitagsgelände
<http://www.museen.nuernberg.de/dokuzentrum/themen/reichsparteitagsgelaende.html>

Die historische Dimension dieses Ortes erfordert zwingend eine schlüssige Darstellung und Bewertung. Lange nach Kriegsende entstand mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände endlich ein zeitgemäßes und umfangreiches Informationsangebot. Dass es sich hierbei um eine Aufgabe von nationalem Rang handelt, stellt die Beteiligung von hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft im Kuratorium des Dokumentationszentrums unter Beweis.

Seit ihren ersten Planungen im Jahre 1994 haben die museen der stadt nürnberg die Unterbringung des Dokumentationszentrums im nördlichen Kopfbau der Kongresshalle vorgeschlagen. Auf dieser Basis erfolgte 1998 die Auslobung eines internationalen Architekturwettbewerbs.
Der Sieger - der österreichische Architekt Günther Domenig - bezieht mit zeitgenössischen Architekturzeichen aus Stahl und Glas eine überzeugende Gegenposition zum NS-Bau. Wie ein Pfahl bohrt sich ein gläserner Gang diagonal durch das Gebäude und setzt einen nachhaltigen Kontrapunkt zur steinernen Machtdemonstration der Nationalsozialisten. Die rechtwinklige Geometrie des nördlichen Kopfbaus wird durchtrennt und der ansonsten nicht einsehbare Gebäudekomplex gleichsam mit einem archäologischen Querschnitt erschlossen.

Der Gang endet in einer freischwebenden Plattform mit Ausblick in den Innenhof der Kongresshalle. Die Innenräume selbst blieben weitgehend im Rohzustand. Neben einem Kino- und Vortragssaal, der in die Eingangshalle im Erdgeschoss eingehängt ist, entstand in einem Glasaufbau auf dem Dach des Kopfbaus das Studienforum zur vertiefenden pädagogischen Begleitarbeit.

Die Dauerausstellung des Dokumentationszentrums wurde von den museen der stadt nürnberg erarbeitet.
Sie stellt die NS-Parteitage dar und erklärt die Faszination, die sie auf Teilnehmer und Besucher ausübten. Zugleich will die Ausstellung die Ursachen und Zusammenhänge der verbrecherischen Machtausübung des NS-Staates offen legen und ihre gewalttätigen Folgen für die Menschen vor Augen führen. Ebenso werden die Ereignisse erläutert, die mit dem Namen der Stadt Nürnberg und der NS-Zeit untrennbar in Zusammenhang stehen: Die Tätigkeit von Julius Streicher, der das antisemitische Hetzblatt "Der Stürmer" herausgab, die Verkündung der "Nürnberger Gesetze" im Jahre 1935 sowie die Nürnberger Prozesse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Der Umgang mit der steinernen Hinterlassenschaft der Nationalsozialisten auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände seit 1945 steht am Ende der Ausstellung.

Mit Hilfe eines Audioguides, den jeder Besucher erhält, erklärt sich die Ausstellung selbst. Die Abfolge ist chronologisch. Die Struktur der einzelnen Ausstellungsräume ist unterschiedlich. Sie reicht von nur wenigen Quadratmetern zählenden Durchgängen bis zu großen Hallen. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt 1300 m².
Den Besucher erwartet ein narratives Vorgehen, neben den klassischen Ausstellungsmethoden wird auch mit modernen Präsentationsformen gearbeitet. Fünf neukonzipierte Filmpräsentationen sind wesentlicher Bestandteil des Ausstellungsrundgangs. Leicht zu bedienende elektronische Schaustationen zu unterschiedlichen Themen machen eine Fülle vertiefenden Bildmaterials zugänglich. Speziell aufgenommene Zeitzeugeninterviews sollen gerade der jungen Generation Geschichte näher bringen.

Seit 2004 stehen zusätzliche Flächen für Wechselausstellungen zur Verfügung. Erste Projekte waren eine Ausstellung zum Thema Hitlerjugend, "Verführt, verleitet, verheizt. Das kurze Leben des Nürnberger Hitlerjungen Paul B." sowie eine Präsentation des Grafikzyklus "Wie ein Totentanz" von Alfred Hrdlicka zum 20. Juli 1944.