museen der stadt nürnberg

Die wichtigsten Ausstellungen und Veranstaltungen des Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände im Jahr 2006.

Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Archiv 2006

Leni Riefenstahl, ihr Chefkameramann Walter Frentz und ein Helfer bei den Dreharbeiten zu dem Olympia-Zweiteiler, 1936.
Während der Olympiade in Berlin, 1936.

Begleitprogramm zur Ausstellung "Leni Riefenstahl. Fotografie - Film - Dokumentation"

Olympia - Fest der Völker
Olympia - Fest der Schönheit

Filme: D 1938, 126 und 100 Min., Regie: Leni Riefenstahl

Sonntag, 8. Januar 2006, 14 Uhr
Sonntag, 12. Februar 2006, 14 Uhr
Zwischen den beiden Filmen findet eine Pause statt.

Der in zwei Teilen veröffentlichte Film über die 1936 in Berlin stattfindenden XI. Olympischen Spiele erlangte als der erfolgreichste Sportfilm seiner Zeit Weltruhm.

Wegen seiner innovativen Bildästhetik vom Fachpublikum zu jeder Zeit hoch gelobt, schuf Leni Riefenstahl mit großem technischen Aufwand und nahezu unbegrenztem Budget ein Werk, das mit seinen betont schönen Bildern von menschlicher Bewegung und Kraft nahtlos an das nationalsozialistische Körperideal anschloss.

Zu den Vorführungen findet jeweils eine Einführung und anschließende Diskussion von und mit Mitarbeitern des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände statt.

Filmplakat, 1929.

Die weiße Hölle vom Piz Palü

Film: D 1929, 133 Min., Regie: Arnold Fanck

Sonntag, 15. Januar 2006, 15 Uhr

Bei diesem Film arbeitete der Begründer des Bergfilm-Genres, Arnold Fanck, erstmals mit dem populären Spielfilmregisseur Georg Wilhelm Pabst zusammen. Durch diese Kooperation sollte dem Schauspielerischen in den sonst ausschließlich der Natur gewidmeten Bergfilmen Fancks mehr Gewicht verliehen und die Handlung stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Der Stummfilm mit Leni Reifenstahl in der Hauptrolle erzählt die melodramatische Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern und war im Jahr seines Erscheinens der zweiterfolgreichste Film in Deutschland. Er ist der dritte von insgesamt fünf Filmen, in denen Leni Riefenstahl unter der Regie von Arnold Fanck spielte.

Leni Riefenstahl auf dem Nürnberger Hauptmarkt, 1933.

Triumph des Willens

Film: D 1934, 114 Min., Regie: Leni Riefenstahl

Freitag, 20. Januar und 10. Februar 2006,
jeweils 18 Uhr
Sonntag, 19. Februar 2006, 15 Uhr

Dieser Film gilt einerseits als Meisterwerk der Bildsprache, andererseits stellt er die Perfektion des Propagandafilms dar. Er hat die Ikonen des Nationalsozialismus für die Geschichte geschaffen. Unter ihrer eigenen künstlerischen und organisatorischen Gesamtleitung gelang Leni Riefenstahl die perfekte Inszenierung Hitlers in seinem Selbstverständnis als "Führer". Die nationalsozialistische Bewegung wird in eine überpolitische, überzeitliche, quasi religiöse Dimension enthoben. Der dokumentarische Charakter, den Riefenstahl für den Film reklamierte, tritt durch die Machart völlig in den Hintergrund.

Zu den Vorführungen findet jeweils eine Einführung und anschließende Diskussion von und mit Mitarbeitern des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände statt.

Leni Riefenstahl als Junta. Film-Still aus "Das Blaue Licht", 1932.

Das Blaue Licht

Film: D 1932, 79 Min., Regie: Leni Riefenstahl

Freitag, 20. Januar und 10. Februar 2006,
jeweils 18 Uhr
Sonntag, 26. Februar 2006, 15 Uhr

Zum Film kam Leni Riefenstahl erst auf Umwegen: Nachdem sie 1923 wegen einer Knieverletzung ihre durchaus erfolgreiche Karriere als Ausdruckstänzerin aufgeben musste, entdeckte sie den Film als neues künstlerisches Betätigungsfeld. Arnold Fanck bot ihr die Hauptrolle im Spielfilm "Der heilige Berg" (1925) an.

Lernte Leni Riefenstahl bei Arnold Fanck zwar kaum Schauspielerei, so setzte sie sich in dieser Zeit um so mehr mit den technischen Fragen der Filmherstellung auseinander. Aus Fancks Team holte sie denn auch ihre eigenen Mitarbeiter, als sie im Jahre 1932 in "Das blaue Licht" zum ersten Mal Regie führte und gleichzeitig den Film produzierte.

"Das blaue Licht" erzählt von einer alten Legende aus den Dolomiten: Von der Spitze des Monte Cristallo erstrahlt in Vollmondnächten ein geheimnisvolles blaues Licht. Allein das Bergmädchen Junta (Leni Riefenstahl) kennt den Weg zum blauen Licht, weshalb sie im Dorf als Hexe angefeindet wird. Als der Maler Vigo ihr Geheimnis entdeckt, löst er eine Katastrophe aus.

Wie bei den Fanck-Filmen kam der Handlung keine besondere Bedeutung zu: Für Riefenstahl besaß das "schöne Bild" Selbstwert. Obwohl "Das blaue Licht" mehrere Auszeichnungen gewinnen konnte, wurde er kein Publikumserfolg. Nach "Das blaue Licht" drehte Riefenstahl nur noch einen weiteren Spielfilm, den eingangs erwähnten "Tiefland", der zwar vor dem Krieg bereits abgedreht, dann aber beschlagnahmt wurde und erst 1953 uraufgeführt werden konnte. Sie lernte indessen im Jahre 1932 Adolf Hitler kennen, für den sie die Reichsparteitagsfilme "Sieg des Glaubens" (1933), "Triumph des Willens" (1934) und "Tag der Freiheit" (1935) realisierte.

Sport war im "Dritten Reich" ein Propagandainstrument ersten Ranges.

Begleitprogramm zur WM 2006

In Szene gesetzt. Sportsiege im Nationalsozialismus

Film- und Vortragsreihe

14. bis 21 Mai 2006

Fußballer stürmten für Hitler, Max Schmeling demonstrierte beim Boxen die vermeintliche Überlegenheit der weißen Rasse und deutsche Technik triumphierte im Motorsport - kaum jemand setzte Sport derart für seine propagandistischen Zwecke ein wie die Nationalsozialisten. Die Olympischen Spiele 1936 in Berlin sollten Höhepunkt der Inszenierung des Regimes werden. Während Leni Riefenstahl den Kult um Körper und Wettkampf perfekt in Szene setzte, wurden Spitzensportler aufgrund ihrer Religion vom Sportgeschehen ausgeschlossen.

"Wir haben nur gespielt..." - doch Sport ist nie unpolitisch.

Zur WM veranstaltet das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in der Säulenhalle eine mehrteilige Reihe zu Sport und Film im "Dritten Reich", die die Vereinnahmung und Inszenierung sportlicher Erfolge durch die Nationalsozialisten zeigen. Zu sehen sind unter anderem die beiden Filme Leni Riefenstahls über die Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Ein wissenschaftliches Vortragsprogramm begleitet die Filmaufführungen unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Themen wie "Der Sportfilm - Spiegel oder Zerrbild der Realgeschichte des Sports in der NS-Zeit" (14. Mai), "Schmelings Sieg - ein deutscher Sieg" (15. Mai) und "Jüdische Sportler im Nationalsozialismus" (19. Mai).

Rudolf Carracciola. Werbeplakat von Mercedes Benz. Bildnachweis: Mercedes Benz Classic.

Programm

Sonntag, 14. Mai 2006
14.00 Uhr  Begrüßungen
  Sportpropaganda und Sportfilm in der NS-Zeit?
Referent: Prof. Dr. Hans-Joachim Teichler
Einführung in die Film- und Vortragsreihe anhand von kurzen Filmbeispielen
  Sieg auf der ganzen Linie
(Film, D 1939, Regie: F.A.R. Stoll)
Referent: Dr. Uwe Day
Zwei Kurzfilme berichten über deutsche Rennerfolge u.a. der legendären "Silberpfeile" sowie der Fahrer Carracciola, Stuck und Rosemeyer. Der deutsche Rennsport zeigt sich dabei als Einheit zwischen repräsentativem Motor-Spitzensport und paramilitärischer Geländeprüfung. Mit seiner technischen Ausrichtung bildete er die ideale Plattform, das nationalsozialistische Regime als moderne "Bewegung" zu präsentieren, die Siege wurden als Überlegenheitsdemonstration deutscher Technik propagandistisch verwertet.

Titelblatt des "Illustrierten Filmkuriers", Nr. 2502, 1936.
© Verlag für Filmschriften, Christian Unucka.
Montag, 15. Mai 2006
19.00 Uhr  Max Schmelings Sieg - Ein deutscher Sieg?
(Film, D 1936, Regie: Hans H. Zerlett)
Referent: Volker Kluge
Der Film zeigt als Reportage den legendären Boxkampf zwischen Max Schmeling und Joe Louis im Jahre 1936, kommentiert von Arno Hellmis. Schmelings Sieg wurde von den Nationalsozialisten zunächst als Demonstration der Überlegenheit der weißen Rasse angesehen. Schmeling galt als "arischer" Held, dessen sportliche Leistungen den scheinbaren Erfolg des "Rassegedankens" außenpolitisch demonstrierten sowie innenpolitisch für ein neues Erziehungsleitbild dienten. Als Schmeling zwei Jahre später einen weiteren Kampf gegen Louis in der 1. Runde durch k.o. verlor, verbot Hitler, davon auch nur eine Filmszene zu zeigen. Goebbels’ Presseinstruktionen lauteten: "Schmeling ist nicht Deutschland. Es handelt sich nur um die Niederlage eines Boxers...".

Leni Riefenstahl, ihr Chefkameramann Walter Frentz und ein Helfer bei den Dreharbeiten zu dem Olympia-Zweiteiler, 1936.
Mittwoch, 17. Mai 2006
19.00 Uhr  Olympia - Fest der Völker
(Film, D 1936, Regie. Leni Riefenstahl)
Olympia 1936 in Berlin - Völkerverständigung oder Schaufassade?
Referent: Prof. Dr. Reinhard Rürup
Erster Teil des in zwei Teilen veröffentlichten Films über die 1936 in Berlin abgehaltenen XI. Olympischen Spiele, der als erfolgreichster Sportfilm seiner Zeit Weltruhm erlangte und wegen seiner innovativen Bildästhetik vom Fachpublikum Zeit hoch gelobt wurde. Leni Riefenstahl schuf mit großem technischen Aufwand ein Werk, das mit seinen betont schönen Bildern von menschlicher Bewegung und Kraft nahtlos an das nationalsozialistische Körperideal anschloss.
Freitag, 19. Mai 2006
19.00 Uhr  "Makkabi Chai - Makkabi lebt": Die Scheinblüte des jüdischen Sports im "Dritten Reich" 1933-1938
Referent: Rudolf Oswald
Das Jahr 1933 markiert den Wendepunkt in der Geschichte des jüdischen Lebens im Deutschen Reich. In den Maße, in dem Juden seit 1933 aus der "deutschen" Lebenswelt ausgeschlossen wurden, verzeichneten bereits existierende jüdische Organisationen, so auch Sportverbände wie der "Makkai", regen Zulauf. Trotzdem kann nicht ernsthaft von einer "Blütezeit des jüdischen Sports in Deutschland" gesprochen werden. Jüdischer Sport im "Dritten Reich" war Ausgrenzungserfahrung, war Alltag auf Abruf, war auch (Selbst-) Täuschung über die Wirklichkeit. Dieses Spannungsfeld soll im Vortrag anhand zeitgenössischen Dokumentar- und Propagandafilmmaterials aus dem Bereich der jüdischen Leibesübung thematisiert werden.

Bei den Dreharbeiten zum Spielfilm "Das große Spiel", 1942.
© Deutsches Historisches Museum, Berlin.
Sonntag, 21. Mai 2006
14.00 Uhr  Das große Spiel
(Film, D 1942, Regie: Robert A. Stemmle, u.a. mit Sepp Herberger)
Opportunismus, Begeisterung oder Instrumentalisierung? - Fußball im Nationalsozialismus
Referent: Dr. Markwart Herzog
Mit dem Spielfilm "Das große Spiel" entstand mitten im Zweiten Weltkrieg ein auf den ersten Blick erstaunlich unpolitischer Sportfilm, bei dem zahlreiche aktive bekannte Sportler mitwirkten. Den Krieg scheint es nicht zu geben, nicht einmal die Angst vor einem Einberufungsbefehl an die Front. Ebenso abwesend bleibt die NS-Ideologie, wenn sportliche Erfolge gefeiert und private Intrigen ausgetragen werden. Die Realität des Massensports Fußball sah in jenen Jahren jedoch anders aus, und nicht Sepp Herberger, Mitwirkender und Fachberater des Films, sondern auch zahlreiche Vereine mussten sich nach 1945 die Frage nach Instrumentalisierung, Begeisterung oder Opportunismus stellen lassen.

Logo der Initiative "Deutschland - Land der Ideen".

Aktionstage

Ein Ort im Land der Ideen

Aktionstag im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände

Freitag, 21. Juli 2006

Mit einem Aktionstag am 21. Juli 2006 reiht sich das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in die bislang größte Veranstaltungsreihe in Deutschland, "365 Orte im Land der Ideen", ein. Damit gehört das Dokumentationszentrum nun offiziell zu den von der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" ausgezeichneten "365 Orte im Land der Ideen".

An diesem Tag erwartet die Besucher zum ermäßigten Eintrittspreis von 2,50 EUR neben der Dauerausstellung "Faszination und Gewalt" ein informatives Sonderprogramm über den historischen Ort und die Geschichte des Nationalsozialismus. Da an diesem Wochenende auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände mit dem so genannten Norisringrennen zugleich Rennen der DTM stattfinden, steht der Aktionstag auch unter dem Zeichen des Sports.

Der Rennfahrer Rudolf Carracciola, Werbeplakat von Mercedes Benz.

"Das Hohe Lied vom Rennfahrer" - Motorsport im Nationalsozialismus

Vortrag von Dr. Uwe Day

Kaum jemand nutzte sportliche Ereignisse und Erfolge - wie beispielsweise im Rennsport - so sehr für propagandistische Zwecke wie die Nationalsozialisten. Dennoch stehen z.B. die berühmten "Silberpfeile" in einer nostalgischen Erinnerungskultur auch heute noch als vollkommen unpolitische Symbole für die Größe deutscher Technik. Die Verbindung von massenwirksamen "Motorenschlachten" und Technikkult der 1930er Jahre mit den ideologischen Grundsätzen der Nationalsozialisten wird meist übersehen.

Der Historiker Uwe Day erläutert in seinem reich bebilderten Vortrag, wie Rennsport als nationales Gemeinschaftserlebnis medial inszeniert wurde und so zu einer Ikone der NS-Modernisierung aufstieg. Er geht der Frage nach, wie es dem NS-Regime gelang, mit dem "Mythos Avus" und den "heldenhaften Lichtgestalten" deutscher Rennfahrer den Motorsport als wirksames Steuerungsinstrument zu etablieren, ohne dass es als solches wahrgenommen wurde.

Grandiose filmische Auseinandersetzung mit Hitler noch während des Nationalsozialismus: Charles Chaplin als Diktator Hynkel in seinem Film "Der Große Diktator", 1940.

Visualisierter Wahn. Vom Umgang mit NS-Filmen als Zeitdokument

Filmsymposium

Freitag und Samstag, 20. und 21. Oktober 2006

Taugen NS-Propagandafilme als Aufklärungsmaterial in der Gegenwart? Welchen Stellenwert haben sie im Vergleich zu jüngst gedrehten Spielfilmen über die NS-Zeit? Das Filmsymposium diskutiert die Frage nach den Chancen und Gefahren des Einsatzes von Filmen aus oder über die NS-Zeit in der politischen Bildungsarbeit und im Schulunterricht.

Alle Referenten sind renommierte Filmkritiker, sie lassen die Seminarteilnehmer aktiv an der jeweiligen Filmanalyse teilnehmen.

Das Symposium wird maßgeblich gefördert von der "Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken e.V."

Programm

Freitag, 20. Oktober 2006
9.00 Uhr  Begrüßung
9.15 Uhr  Einsatz von Spiel- und Dokumentarfilmen aus und über die NS-Zeit
Referent: Gerhard Teuscher, Pädagogischer Referent Berliner Landesinstitut für Schule und Medien
10.00 -13.00 Uhr  Triumph des Willens
(D 1934, 104 Min, Regie: Leni Riefenstahl)
Prof. Dr. Martin Loiperdinger, Lehrstuhl für Medienwissenschaft Universität Trier
13.00 -14.00 Uhr  Mittagspause
14.00 -16.00 Uhr  Hitlerjunge Quex
(D 1933, 90 Min, Regie: Hans Steinhoff)
Herbert Heinzelmann, Filmkritiker, Nürnberg
16.45 -17.15 Uhr  Kaffepause
17.15 -20.20 Uhr  Napola
(D 2004, 110 Min, Regie: Dennis Gansel)
Herbert Heinzelmann, Filmkritiker, Nürnberg
Samstag, 21. Oktober 2006
9.00 -12.15 Uhr  Der Große Diktator
(USA 1940, 120 Min, Regie: Charles Chaplin)
Manfred Rüsel, Medienpädagoge, Aachen
12.15 -13.15 Uhr  Mittagspause
13.15 -16.30 Uhr  Ich klage an
(D 1941, ca. 120 Min, Regie: Wolfgang Liebeneiner)
Dr. Gerd Albrecht, ehem. Leiter des deutschen Filminstituts, Köln
16.30 -17.00 Uhr  Kaffeepause
17.00 -18.45 Uhr  Lebensunwert
(D 2005, 45 Min, Regie: Robert Krieg, Monika Nolte)
Dr. Gerd Albrecht, ehem. Leiter des deutschen Filminstituts, Köln
18.45 -19.15 Uhr  Abschlussdiskussion
Chancen und Gefahren beim Einsatz von Spiel- und Dokumentarfilmen im bildungspolitischen Bereich

Ausmarsch eines SA-Sturms mit Musik in der Region Bayreuth, 1927.

"Brücke" Franken: Vom Braunen Haus zur Reichskanzlei

Begleitausstellung zur im Museum Industriekultur stattfindenden Landesausstellung "200 Jahre Franken in Bayern" über den Nationalsozialismus in Franken.

18. März 2006 bis 14. Januar 2007

Von 1920 bis 1933 führten die Nationalsozialisten einen ebenso hartnäckigen wie brutalen Kampf gegen die Weimarer Republik und um die Macht. Die Bedeutung Frankens dabei bestand vor allem im Rückhalt, den Hitler nach dem missglückten Putsch von 1923 und dem bis 1925 bestehenden Verbot der NSDAP hier fand, um zunächst seinen Führungsanspruch über die zerstrittenen völkischen Gruppierungen durchsetzen zu können.

In der Topographie des Nationalsozialismus nimmt Franken bzw. Nordbayern eine spezifische Rolle ein. 1928 lag der Reichstagswahlkreis 26 - Franken - mit seinem NS-Wahlergebnis an der ersten Stelle im Deutschen Reich.

Persönlichkeiten wie Franken-Führer Julius Streicher, Hans Schemm, der spätere bayerische Kultusminister, und SA-Führer Wilhelm Stegmann übten hier zusammen mit zahlreichen mitgliederstarken Ortsgruppen nachhaltigen Einfluss aus. Man kann daher zu Recht von einer Brückenfunktion Frankens sprechen: Nach München, wo sich Gründung und Aufstieg des Nationalsozialismus vollzogen, war sie Bastion in einer für die NSDAP schwierigen Zeit, bis das Ziel mit dem Einzug in die Berliner Reichskanzlei am 30. Januar 1933 erreicht war. Der im überwiegend protestantischen Mittel- und Oberfranken sich herausbildende nationalsozialistische Bodensatz erwies sich dafür in mehrfacher Hinsicht als tragfähig.

Das ehemalige "KdF-Bad der Zwanzigtausend" auf Rügen.

Das "Paradies" der "Volksgemeinschaft"

Das KdF-Seebad in Prora
Stiftung Neue Kultur/ Dokumentationszentrum Prora

1. September 2006 bis 14. Januar 2007

Nahe dem Ort Prora liegt der "Koloss von Rügen" - das ehemalige "KdF-Seebad der Zwanzigtausend", eine etwa 4,5 km lange und zwischen 1936 und 1939 gebaute Erholungsanlage der NS-Gemeinschaft "Kraft durch Freude". 20.000 Menschen sollten hier Urlaub machen und die "Nerven des Volkes" für den nächsten Krieg gestählt werden. Hierin steckt der Mythos um angeblich gute Seiten des "Dritten Reiches", ein Mythos der sich - ähnlich wie in Nürnberg - in monumentaler Weise architektonisch manifestiert - und den es nachhaltig zu demontieren gilt. Die 2000/2002 erarbeitete Ausstellung ordnet Prora und die staatliche Organisation der Freizeit im Nationalsozialismus in den machtpolitischen Rahmen ein und leistet damit einen Beitrag zur Zerstörung langlebiger Mythen um den Nationalsozialismus.

(Stollen-F) Doggerwerk in der Houbirg bei Happurg, ehemaliges KZ-Außenlager Hersbruck.

KZ-Außenlager in Bayern. Bestandsaufnahme und Perspektiven

Tagung, veranstaltet von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten

Freitag und Samstag, 17. und 18. November 2006

Die Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg umfassten zusammen weit über 200 Außenlager, die sich über den gesamten süddeutschen Raum, Österreich und Tschechien bis nach Sachsen und Polen erstreckten. Ein großer Teil der KZ-Außenstellen befand sich auf bayerischem Boden.

Auf einer zweitägigen Tagung widmet sich die Stiftung Bayerische Gedenkstätten eingehend der Geschichte dieser Außenlager. Im Mittelpunkt der Vorträge wird der heutige Umgang mit den drei größten ehemaligen Lagerkomplexen - Hersbruck, Mühldorf und Landsberg-Kaufering - stehen. Im Rahmen von drei Workshops sollen mögliche Konzepte für die Gestaltung dieser Erinnerungsorte diskutiert werden.

Am Abend des 17. November 2006 wird außerdem Band IV der von Barbara Distel und Wolfgang Benz beim C.H. Beck Verlag herausgegebenen Reihe "Der Ort des Terrors. Die Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager" vorgestellt. Dieser Band enthält unter anderem Beiträge zu den Außenlagern des Konzentrationslagers Flossenbürg.

Programm

Freitag, 17. November 2006
14.00 Uhr  Begrüßung: Umgang mit den Erinnerungsorten aus Sicht der Stiftung Bayerische Gedenkstätten
Prof. Dr. Andreas Heldrich
14.15 Uhr  Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Wissenschaftliche Forschung und Vermittlung
Prof. Dr. Wolfgang Benz
15.00 Uhr  Faszination und Schrecken. Die ehemaligen Großbaustellen der NS-Rüstungsindustrie als Erinnerungsorte
Prof. Dr. Stefanie Endlich
16.00 Uhr  Kaffeepause
16.30 Uhr  Das KZ im Stollen. Erfahrungen an der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora
Dr. Jens-Christian Wagner
17.10 Uhr  Die Außenlager des KZ Flossenbürg. Ein Überblick
Uli Fritz
17.50 Uhr  Die Außenlager des KZ Dachau. Ein Überblick
Sabine Schalm
18.30 Uhr  Pause
19.30 Uhr  Buchvorstellung: Der Ort des Terrors
Samstag, 18. November 2006
9.00 Uhr  Das ehemalige KZ-Außenlager Hersbruck
Moderation: Dr. Carina Baganz
mit
  Bestandsaufnahme aus Sicht der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg
Dr. Alexander Schmidt
  Konzepte und Vorschläge des Vereins "Dokumentationsstätte KZ Hersbruck"
Konrad Tzschentke, Peter Schön
  Das Anliegen der ehemaligen Häftlinge
Alfred Nerlich
10.15 Uhr  Kaffeepause
10.45 Uhr  Der ehemalige KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf
Moderation: Peter Koch
mit
  Bestandsaufnahme aus Sicht der KZ-Gedenkstätte Dachau
Dr. Gabriele Hammermann
  Konzepte und Vorschläge des Vereins "für das Erinnern"
Josef Wagner
  Das Anliegen der Überlebenden
Dr. Max Mannheimer
12.00 Uhr  Kaffeepause
12.30 Uhr  Der ehemalige KZ-Außenlagerkomplex Landsberg-Kaufering
Moderation: Dr. Angelika Königseder
mit
  Bestandsaufnahme aus Sicht der KZ-Gedenkstätte Dachau
Dirk Riedel
  Gestaltungsvorschläge aus lokaler Sicht
Dr. Edith Raim
  Das Anliegen der Überlebenden
Aba Naor, Uri Chanoch
13.45 Uhr  Abschließende Überlegungen

Kontaktadresse

Stiftung Bayerische Gedenkstätten
KZ-Gedenkstätte Dachau

Dirk Riedel
Alte Römerstraße 75
85221 Dachau

Tel.
(08131) 66 99 7- 130
E-Mail
riedel@kz-gedenkstaette-dachau.de

Zeppelinfeld mit Haupttribüne, Reichsparteitagsgelände.

Zwischen den Verhören

Szenische Lesung zu den Nürnberger Prozessen 1945/46 in Kooperation mit dem Bildungszentrum der Stadt Nürnberg.

Sonntag, 22. Januar 2006, 11 Uhr

Aus den Gesprächen mit den Gefangenen in ihren Zellen entstand das "Nürnberger Tagebuch" des amerikanischen Gefängnispsychologen Gilbert. Besonders die Äußerungen Görings, Schachts und Speers vermitteln einen tiefen Einblick in Psyche und Mentalität der ehemaligen Herrschaftselite, die sich der Verantwortung für die ihr zur Last gelegten Verbrechen zu entziehen versuchte. Die Lesung ergänzt das vom Staatstheater Nürnberg erfolgreich aufgeführte Theaterstück "Das Urteil von Nürnberg" aus der Perspektive der Angeklagten, deren Rechtfertigung einer Demaskierung gleich kommt.

Otto Schwerdt: "Als Gott und die Welt schliefen"

Ein KZ-Überlebender berichtet.
Zeitzeugenveranstaltung anlässlich des Gedenktags zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz.

Sonntag, 29. Januar 2006, 11 Uhr

Otto Schwerdt war 20 Jahre alt, als er 1943 mit seinen Eltern und seinen Geschwistern nach Auschwitz deportiert wurde. Nur er und sein Vater überlebten.

50 Jahre lang hat er darüber geschwiegen. Erst im hohen Alter konnte er sich mit dem Grauen auseinandersetzen und schrieb ein Buch darüber.

Anlässlich des Gedenktages zur Befreiung von des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 berichtet Otto Schwerdt als Zeitzeuge des Holocaust. Mit seinen Lesungen hält er eine Erinnerung wach, die achtsam machen will gegen Terror, Verfolgung und Rassenwahn.

Ewige Schönheit - Filmästhetik des Nationalsozialismus

Film von Marcel Schwierin

Sonntag, 5. Februar 2006, 15 Uhr

Der Dokumentarfilm von Marcel Schwierin geht anhand von Ausschnitten aus Dokumentar- und Spielfilmen der Film- Ästhetik der Jahre 1919 bis 1945 mit besonderem Schwerpunkt auf die Zeit des "Dritten Reichs" auf den Grund. Er stellt die Ideale von Arbeit, Körperkultur, Schönheit, Deutschtum, der "Volksgemeinschaft" sowie Kampf und Antisemitismus aus der Sicht der NS-Ideologie vor, um zu zeigen, wie die Nazis das Medium Film für ihre Zwecke instrumentalisierten. Der Film stützt sich dabei sowohl auf die Arbeiten von Propagandaregisseuren jener Zeit als auch Material unbekannter Filmemacher.

Die Liebe der Juden zum Deutschen Reich und darauf die Antwort

Szenen aus dem Roman "Die Juden von Zirndorf" in einer Trilogie von Werner Hoffmann als Uraufführung

Mittwoch, 8. März 2006, 19 Uhr

Eine Produktion des THEATER DIE BÜHNE in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände.

Mitwirkende:
Adeline Schebesch, Jochen Kuhl, Michael Nowack, Hannes Seebauer und Marco Steeger (Staatstheater Nürnberg); Felicitas Kielinger, Hans Hirschmüller, Tatjana Sieber, Robert Oschatz, Frank Strobelt, Horst Meyer.

Michael Sauer (Klarinette).
Rainer Kretschmann (Bayerischer Rundfunk).
Kostüme: Friederike Baer, Marion Oelschlägel.
Bühnenbild: Julia Theel.
Dramaturgie, Einrichtung und Gesamtleitung: Werner Hoffmann.

Schirmherrschaft: Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg.

"Hitlers Volksstaat" - Raub, Ritter, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus im "Dritten Reich"

Vortrag von Dr. Götz Aly

Mittwoch, 22. März 2006, 20 Uhr

War das Dritte Reich auch eine Gefälligkeitsdiktatur? Ließ sich die Bevölkerung durch "Volksbestechung" in Form von massenwirksamen sozial- und steuerpolitischer Wohltaten von der NS-Führung kaufen? Welche Vorteile genoss "Otto Normalverbraucher" durch den Krieg und die Verfolgung anderer Bevölkerungsgruppen?

Mit seinem 2005 erschienenen Buch "Hitlers Volksstaat" hat der Berliner Historiker Götz Aly eine neue Deutung der deutschen Massengefolgschaft in der NS-Zeit vorgelegt. Im Rahmen dieser Veranstaltung erläutert er seine provokanten Thesen zu der Frage, warum die Deutschen ihrem "Führer" bis zum bitteren Ende folgten. Im Anschluss steht er dem Publikum Rede und Antwort.

Hannes Heer.
© Susanne Schleyer, Berlin.

"Hitler war’s". Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit

Lesung von Hannes Heer

Donnerstag, 4. Mai 2006, 20 Uhr

"Seit zwei Monaten sind wir hier zugange, wir haben jede Menge Fragen gestellt, und wir haben keinen einzigen Nazi gefunden. Jeder ist ein Nazigegner. Alle Leute sind gegen Hitler. Sie sind schon immer gegen Hitler gewesen. Es heißt, dass Hitler die Sache ganz allein, ohne Hilfe und Unterstützung irgendeines Deutschen durchgezogen hat. Er hat den Krieg angefangen, er hat ganz Europa erobert, den größten Teil Russlands überrannt, fünf Millionen Juden ermordet, Polen und Russen in den Hungertod getrieben, vierhundert Konzentrationslager errichtet, die größte Armee in Europa aufgebaut und dafür gesorgt, dass die Züge pünktlich fahren." So schilderte ein Offizier der 1. US-Armee nach der Eroberung von Aachen Mitte Oktober 1944 die Einstellung der deutschen Bevölkerung zum Hitler-Regime.

Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit durch den Sündenbock Hitler ist nicht neu. Bereits in der ersten Nachkriegszeit hatten solche Manöver Hochkonjunktur. In seinem neuen Buch untersucht Hannes Heer anhand von prominenten Beispielen wie dem preisgekrönten Film "Der Untergang", den Fernsehserien von Guido Knopp oder den Publikationen des Hitler- und Speerexperten Joachim Fest, warum solche Ansichten von der "Kollektivunschuld" gerade jetzt wieder aktuell sind. Im Rahmen dieser Veranstaltung erläutert er seine Thesen und steht dem Publikum im Anschluss daran Rede und Antwort.

Die ehemalige Kindersoldatin China Keitetsi.
© Jon Chase.

"Sie nahmen mir die Mutter und gaben mir ein Gewehr"

Lesung von China Keitetsi

Dienstag, 23. Mai 2006, 18 Uhr

China Keitetsi wurde als Kind von Soldaten der Nationalen Widerstandsarmee (NRA) in der Nähe ihres Heimatdorfes in Uganda gefangen genommen. In einem Rekrutierungslager erfolgte ihre Ausbildung als Kindersoldatin. Erst mit 19 Jahren gelang ihr der Ausbruch aus einer Spirale der Gewalt, in der sie zehn Jahre gefangen war.

Nach einer Flucht durch mehrere afrikanische Staaten lebt China Keitetsi heute in Dänemark. Sie kämpft mit der UNICEF und anderen Organisationen weltweit gegen den Einsatz von Kindersoldaten.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit.

Sepp Herberger, der "Trainerfuchs" der Weltmeistermannschaft von 1954.

Sepp Herberger. Triumph der Sprüche

Vortrag von Friedrich Kröll und Dr. Eckart Dietzfelbinger

Sonntag, 28. Mai 2006, 11 Uhr

Sepp Herberger. Einer wie wir. Seit 1936 Reichstrainer, bis 1964 Bundestrainer. Was uns immer versagt geblieben war, ist ihm geglückt: Der Sieg am Ende.

In der Biographie des legendären Trainers des WM-Triumphes von 1954 spiegelt sich exemplarisch deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert. Mehr noch: Wie kein anderer hat Sepp Herberger den Schatz der deutschen Fußball-Spruchweisheiten ("Nach dem Spiel ist vor dem Spiel", "Der Ball ist rund", "Ein Spiel dauert 90 Minuten") bereichert.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem BZ.

Ausmarsch eines SA-Sturms mit Musik in der Region Bayreuth, 1927.

Nationalsozialismus in Franken

Vortrag von Dr. Eckart Dietzfelbinger

Sonntag, 18. Juni 2006, 15 Uhr

In der Topographie des Nationalsozialismus nimmt Franken bzw. Nordbayern eine spezifische Rolle ein. Hier übten NS-Führer wie Julius Streicher, Hans Schemm und Wilhelm Stegmann mit zahlreichen mitgliederstarken Ortsgruppen nachhaltigen Einfluss aus. 1928 lag der Reichstagswahlkreis 26 - Franken - mit seinem NS-Wahlergebnis an der ersten Stelle im Deutschen Reich.

Eckart Dietzfelbinger, Mitarbeiter des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände und wissenschaftlicher Autor der Texte der aktuellen Sonderausstellung "Die Brücke Franken", erläutert in seinem Vortrag, welche Gründe und Voraussetzungen dem überdurchschnittlich großen Erfolg der Nationalsozialisten gerade in Franken zugrunde liegen.

Lebensborn - Ein Zeitzeuge erzählt

Zeitzeugengespräch mit Hartmut Gottschalk

Sonntag, 2. Juli 2006, 11 Uhr

Der uralte Menschheitstraum, den "Übermenschen" zu erschaffen, ist mit Hilfe der Gentechnik heute näher gerückt. Eine "arische" Elite von "Herrenmenschen" war auch das Ziel der Nationalsozialisten. 1935 gründete Heinrich Himmler den SS-Verein "Lebensborn e.V.", der als Instrument der nationalsozialistischen Rassenideologie der Vermeidung von Abtreibungen und der Erhöhung der Geburtenrate "arischer" Kinder dienen sollte.

Hartmut Gottschalk kam als uneheliches Kind eines SS-Offiziers unter Geheimhaltung im Lebensborn-Heim "Hochland" bei Ebersberg zur Welt. Im Rahmen dieser Veranstaltung erzählt er von den weitreichenden Folgen, die seine Herkunft auch nach dem Ende des NS-Regimes für sein Leben hatte.

Das ehemalige KdF-Seebad der "Volksgemeinschaft" in Prora auf Rügen.

Das "Paradies" der "Volksgemeinschaft" - Das KdF-Seebad in Prora

Vortrag von Dr. Jürgen Rostock zur Eröffnung der gleichnamigen Ausstellung

Donnerstag, 14. September 2006, 19 Uhr

Für die Nationalsozialisten war die "Volksgemeinschaft" ein zentraler Begriff zur Neuorganisation der nationalsozialistischen Gesellschaft, die durch dieses Modell angeblich egalitär strukturiert wurde. Wichtiger Bestandteil dieses Systems war die NS-Organisation "Kraft durch Freude" (KdF). Mit Feierabendbeschäftigungen und Urlaubsreisen sollten die Nerven der "schaffenden Menschen" gestärkt werden. Viele Menschen glaubten, "KdF" wirke für die Emanzipation der Arbeitenden und baue mit an der "wahren Volksgemeinschaft". In Wahrheit war diese scheinbar harmlose Organisation jedoch Bestandteil der Kriegsvorbereitung und sozialen Propaganda.

Jürgen Rostock ordnet in seinem Vortrag die staatliche Organisation der Freizeit im Nationalsozialismus anhand des Beispiels "KdF-Seebad Prora" in den machtpolitischen historischen Rahmen ein und möchte damit einen Beitrag zur Zerstörung langlebiger Mythen um den Nationalsozialismus leisten.

Die Angeklagten im Hauptkriegsverbrecherprozess 1945/46.

The Nazi Plan

USA 1945, 194 Min., Regie: George Stevens, Drehbuch: Budd Schulberg

Samstag, 30. September 2006, 19 Uhr

Am 1. Oktober jährt sich zum sechzigsten Mal die Urteilsverkündung im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher des NS-Regimes. Teil der Beweisführung der Alliierten Ankläger war der Film "The Nazi Plan", der die Verbrechen der Nationalsozialisten dokumentiert.

Dieser vom U.S. Council for the Prosecution of Axis Criminality produzierte Film wurde auf Antrag der Anklagebehörde der Vereinigten Staaten im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher am 11. Dezember 1945 im Gerichtssaal vorgeführt.

Der kaum je in voller Länge gezeigte Film - eine Zusammenstellung aus deutschen Wochenschauen und Filmen der Jahre 1921 bis 1944 (deutsch, z.T. mit englischen Untertiteln) - ist ein einzigartiges Dokument der Filmgeschichte, da er das erste Filmmaterial darstellt, das als Beweisgrundlage für eine Gerichtsverhandlung genutzt wurde.

Eine wissenschaftliche Einführung setzt den Film in den historischen Kontext.

Filmvorführung in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Fernsehen.

Albert Speer während der Nürnberger Prozesse.

DER LETZTE TAG - 1. Oktober 1946:
Schuldspruch und Strafmaß

Eine szenische Lesung zu den Urteilen von Nürnberg
Von Friedhelm Kröll, mit Adeline Schebesch/ Staatstheater Nürnberg

Sonntag, 1. Oktober 2006, 11 bis 12.30 Uhr

Eröffnet wurde der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher am 20. November 1945. Nach knapp einem Jahr Verhandlungsdauer wurden am 1. Oktober 1946 die Urteile verkündet.

Bis heute verstellen Legenden und Illusionen den Blick auf die Nürnberger Prozesse. Die üble Legendenbildung: die Phrase von der "Siegerjustiz". Die naive Illusionsbildung: der Glaube an einen "Menschenrechtsgerichtshof".

Es sind Hannah Arendt und Raoul Hilberg gewesen, die den wirklichen wunden Punkt der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse unmissverständlich beim Namen genannt haben: das Versagen gegenüber dem monströsen Verbrechen, dem Massenmord an den europäischen Juden. Die juristische Konstruktion der Prozesse habe den Eindruck erweckt, so Hannah Arendt bitter-lakonisch, "als hätten es die Nazis lediglich an ’Menschlichkeit’ fehlen lassen, als sie Millionen in die Gaskammern schickten, wahrhaft das Understatement des Jahrhunderts."

Mit der exemplarischen Präsentation der Strafaussprüche gegen

Hermann Göring,
Repräsentant des politischen Kerns der Nazibewegung,
Albert Speer,
Repräsentant der Funktionselite im Naziregime, und
Julius Streicher,
"Frankenführer" und Repräsentant der Speer-Spitze des Antisemitismus vor und während der Naziherrschaft

wird DER LETZTE TAG des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg pointiert erinnert.

Josef Jakubowicz (links) und
William E. Roach.

William E. Roach und Josef Jakubowicz: Befreier und Befreiter berichten über das KZ Bergen-Belsen

Zeitzeugengespräch

Sonntag, 12. November 2006, 15 Uhr

Josef Jakubowicz wurde 1925 als Kind einer deutsch-jüdischen Familie in der polnischen Kleinstadt Oswiecim (Auschwitz) geboren. 34 Familienmitglieder wurden von den Nationalsozialisten umgebracht. Im Dezember 1940 begann die Odyssee des 15jährigen durch elf verschiedene Zwangsarbeits- und Konzentrationslager. Am 15. April 1945 wurde er aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit.

William E. Roach war 1945 Hauptmann in der Britischen Armee, die am 15. April 1945 das Männerlager des Konzentrationslagers Bergen-Belsen befreite. Er fand dort unbeschreibliche Zustände vor. Vier Tage lang war er mit einer kleinen Mannschaft beschäftigt, das Leben im Lager neu zu organisieren und die Grundversorgung der ehemaligen Häftlinge zu sichern.

Moderation durch Birgit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung e.V. Nürnberg.

Titelblatt Nürnberger Schau, August 1939.

Speer's PR für Nürnberg - Die mediale Vermarktung der Bauten des Reichsparteitagsgeländes

Vortrag von Alexander Kropp

Sonntag, 26. November 2006, 15Uhr

Albert Speer wird gemeinhin als Architekt der meisten Bauten auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg wahrgenommen. Weitaus weniger bekannt ist, dass er zugleich die mediale Vermarktung nicht nur der Bauten in Nürnberg sondern auch in Berlin beeinflusste und kontrollierte. Fotos, Reiseführer, Bücher oder Postkarten mussten von ihm und der Pressestelle in der Behörde des "Generalbauinspektors für die Reichshauptstadt" in Berlin genehmigt werden. Von dort wurde auch die Presseberichterstattung über das Reichsparteitagsgelände ab 1939 maßgeblich kontrolliert.

Der Historiker Alexander Kropp möchte diese unbekannte Seite der vielfältigen Aktivitäten Speers am Beispiel des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg aufzeigen, das "PR-System" Speers in seinen Methoden darstellen und auch die Frage beantworten, warum "Hitlers Architekt" eine derartige Eigen-PR und Imagekampagne betrieb.

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